Schlag 12 in London

default

Zum Film: In einer Zeit, als es noch kein DVD gab und Video für kleine Landeier wie uns noch unerschwinglich war, da hat man TV-Sendungen und Filme noch auf normalen Audio-Cassetten mitgeschnitten. Mein Opa hat mich auf diese Weise immer mit den großen Grusel-Klassikern á la Frankenstein und Co. "versorgt", da derartige Streifen auf dem heimischen Flimmerkasten für uns absolut tabu waren. Aus dieser Ära stammt auch der Mitschnitt von "Schlag 12 in London" - eine Interpretation des berühmten Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Stoffes aus den legendären Hammer-Studios. Gott, hab ich diese Cassette geliebt! Auch wenn sich viele Dinge erst beim erstmaligen Betrachten im Fernsehen erschlossen haben (viele Jahre später...), so haben mich die melodramatische Atmosphäre und der packende Soundtrack von Anfang an elektrisiert - auch ohne Bild. Nun gibt es dieses Kleinod endlich auf DVD! Und noch heute kann ich die Dialoge nahezu komplett mitsprechen! Der Film hat den interessanten (und gelungenen) Ansatz gewählt, dass Hyde eben nicht ein hässlicher Bösewicht ist, sondern ein smarter Playboy, der als alter ego des besessenen und staublangweiligen Dr. Jekyll im London der 1860er seine niederen Triebe auslebt. In der Hauptrolle überzeugt der ansonsten eher unbekannt gebliebene Mime Paul Massie. In einer Nebenrolle brilliert Christopher Lee als spielsüchtiger Herzensbrecher. Der Film ist unterm Strich etwas tempo-arm, weiß aber durchaus zu fesseln. Beim Anblick der Schlangentanz-Szene habe ich mich übrigens gefragt, ob sich Quentin Tarantino hier nicht für Salma Hayeks atemberaubenden Auftritt in "From Dusk till dawn" hat inspirieren lassen. Kleine Randanekdote: Oliver Reed ist hier in einer kleinen Nebenrolle zu sehen.

Zur DVD: die Veröffentlichung hat ebenfalls zwei Gesichter: das "gute" ist das qualitativ hochwertige Bild (Ton liegt leider nur in Mono vor), das "böse" ist die spärliche Ausstattung. Nur ein Trailer findet sich auf dem Silberling. In der deutschen Fassung gibt es offensichtlich einen Fehler in der Tonspur. Der letzte Satz (auf Deutsch: "Dr. Jekyll! Es ist meine Pflicht, Sie wegen vorsätzlichen Mordes zu verhaften!") liegt nur auf Englisch vor.

Bewertung: Film: gut, Bonusmaterial: mangelhaft

Schlag 12 in London (GB, 1960)
OT: The two faces of Dr. Jekyll
D: Paul Massie, Christopher Lee, Dawn Addams, Oliver Reed u.a.
R: Terence Fisher
FSK: 12

 

Nachts, wenn Dracula erwacht

default

Zum Film: Kult-Kino vom Trash-König Jess Franco. Seine Dracula-Verfilmung rühmt sich als werkgetreue Adaption, doch die beschränkt sich weitgehend auf die erste Viertelstunde. Zum Schreien : der Angriff ausgestopfter Viecher im Unterschlupf des Vampirs und die Attacke des Wolfsrudels am Anfang. Man muss kein Zoologe sein, um zu sehen, dass hier eine brav erzogene "Meute" deutscher Polizeihunde die vierbeinigen Finsterlinge mimt. Zudem gibt sich Franco nicht mit lästigen Details ab, so dass es schon mal vorkommt, dass seine lichtscheuen Blutsauger bei strahlendem Sonnenschein durch die Kulisse stapfen. Fans des Meisters sehen gnädig über solche mehr oder minder gewollten Ausrutscher hinweg, der Rest hat seinen Spaß.
Christopher Lee schnallt sich wieder einmal als Graf das Cape um - und überrascht mit neuer Interpretation: sein Vampirfürst ist alles andere als ein erotischer Aristokratentyp, sondern ein kalter Krieger, getrieben von der Gier nach Blut. Sein Monolog über sein Fürstengeschlecht gehört zu den Höhepunkten des Streifens. Etwas enttäuschend hingegen: Klaus Kinski als irrer Renfield. Obwohl er geradezu für diese Rolle prädestiniert scheint, bleibt der Mime hinter den Erwartungen zurück.

Zur DVD: zwei saftig gefüllte Silberlinge lassen die Halsschlagader fröhlich pochen. Sehenswert: die Doku "Beloved Count" mit Jess Franco und die arg geraffte Super 8-Fassung des Films, die aus der Zeit stammt, als VHS und DVD noch weit weg waren.

Bewertung: Film: befriedigend, Bonusmaterial: gut

Nachts, wenn Dracula erwacht (E, D, I, 1969)
D: Christopher Loom, Herbert Lom, Klaus Kinski u.a.
R: Jess Franco
FSK: 16

 

Rambo

Habe gestern nach langer Zeit mal wieder "Rambo III" geguckt. Ist schon komisch, was einem dabei so auffiel:
40 Grad im Schatten, flirrende Hitze in Afghanistan und ein verkniffener Sly Stallone metzelt die Gegner "oben ohne" im Sekundentakt. Obercool dagegen die Russen: die tragen trotz der Affenhitze alle dicke Pelzmützen und zentnerschere Stoffmäntel...

 

Filmchen

Als begeisterter Cineast habe ich erfreut festgestellt, dass die Internet-Datenbank OfdB einen tollen Service anbietet: aus dem stolzen Bestand an Filmbesprechungen und Release-Notes lässt sich eine Liste der eigenen Sammlung zusammenstellen. Wer mal wissen will, was der Hanken so für krudes Zeug schaut, klickt einfach auf den Eintrag "Filmsammlung" in der Link-Liste unten rechts. Nicht wundern: da tummeln sich gnadenlos Trasher-Slasher wie "Dawn of Dead" neben lieblichen Kinder-Klassikern wie "Findet Nemo" und Top-Kino á la "Fitzcarraldo". So eine Filmsammlung ist ja auch immer irgendwie ein Spiegelbild der eigenen Seele...

 

Michael Bay´s Texas Chainsaw Massacre

Zum Film: Das gelungene Remake des Kult-Klassikers von Tobe Hooper verzichtet komplett auf die ironischen Untertöne des Originals und kommt ohne Umschweife zur Sache: Marcus Nispel kreiert ein nerven- und körperzerfetzendes Splatterfest, das von der ersten Minute bis zum letzten Röhren der Kettensäge fesselt. Dabei gelingt ihm das Kunststück, den Streifen nicht in einer Blutorgie absaufen zu lassen. Dies liegt zum einen an den nahezu durchweg überzeugenden Darstellern und zum anderen an der gekonnten und verstörenden Darstellung des debilen Familienclans rund um "Leatherface". Und beim Anblick der atemberaubenden Jessica Biel vergisst selbst der kranke Metzelmeister für einen Augenblick das "Kettenrasseln" ? aber nur für einen kurzen.
Zur DVD: Die Single-Disc wartet mit Kurz-Interviews, Texttafeln und englischem Originalton auf. Wer die volle Motorendröhnung braucht, kann sich an der 2-Disc Special Edition laben.
Easter Eggs: -
Bewertung: Film: gut; Bonusmaterial: befriedigend (bezogen auf Single Disc)

Michael Bay´s Texas Chainsaw Massacre (USA 2003)
D: Jessica Biel, Jonathan Tucker, Erica Leerhsen, Mike Vogel
R: Marcus Nispel
FSK: 18
     

 
Über mich
21Publish - Cooperative Publishing