Auf dem Zollamt

Heute musste ich zum ersten Mal in meinem Leben aufs Zollamt. Ich hatte bei einer Ebay-Auktion ein paar Platten geschossen und irgendwie gar nicht registriert, dass "Waren aus Drittländer" - wie es im Zollamtsdeutsch heißt - verzollt/versteuert werden müssen. Die Scheiben kamen aus der Schweiz und so wurden Einfuhrabgaben fällig. Also fand ich mich heute auf dem Amt ein, um meiner Zahlungspflicht nachzukommen. Ich dachte an einen kurzen Botengang in der Mittagspause, doch ich hatte nicht mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit der Beamten gerechnet: als ich das Päckchen zur Kontrolle öffnen musste, erntete ich erstaunte Blicke: "Echte Schallplatten?", fragte der Zollmann, und als ich bejahte, konnte ich fast das Leuchten in den Augen sehen: "Guck´ mal, richtiges Vinyl", berichtete er seinem jungen Kollegen, der wohl eher der MP3-Generation zuzurechnen ist. Nach einer kurzen Fachsimpelei und dem zu entrichtenden Obolus konnte ich meinen kleinen Schatz in die Arme schließen und am Ende zufrieden feststellen: auf dem Zollamt weiß man die gute alte Schallplatte noch zu schätzen - und zollt dem Vinyl Respekt...

 

Rock´n Roll Train

default

Der "Rock´n Roll Train" rollt über Europa - und beim nächsten Halt in Gelsenkirchen schwing´ ich mich auch auf den Zug. Und zwar nicht als "Schwarzfahrer", sondern als legitimer Besitzer von "Fahrtickets" (siehe oben). Wenn die Herren von AC/DC am 17. Mai die Veltins-Arena zum Beben bringen, werd´ ich mir die volle Tinnitus-Dröhnung geben. Oder vielleicht doch nicht??? Wenn ich sehe, was derzeit auf Ebay an horrenden Summen für diese Tix geboten werden, dann komme ich schon ein wenig in Versuchung, die Karten einfach zu verscherbeln. Für den Erlös könnte man sich dann schon den gesamten AC/DC-Backkatalog auf CD können! Aber ob das eine Alternative zum Live-Spektakel ist? Lieber "1. Klasse Rock´n Roll" live und in Farbe statt Trittbrettfahrer auf dem Ticket-Markt!

 

Unterwegs mit BAP

»Verdamp lang her« ist es, dass BAP in der Auricher Stadthalle auftraten. »Am 6. April 1983«, weiß Frontmann Wolfgang Niedecken es ganz genau. An den meisten der knapp 900 Fans, die diesmal in die Halle gekommen sind, sind die Jahre nicht spurlos vorbei gegangen. Aber genau damit liegen sie auf einer Linie mit BAP, die ebenfalls in die Jahre gekommen sind, sich dabei aber Würde und Glaubwürdigkeit bewahrt haben. Und auch nach 26 Jahren ackern Niedecken (einziges verbliebenes Mitglied der Urbesetzung) und seine Mannen unermüdlich, um ihren Anhängern einen vielseitigen Abend zu bieten. Um punkt acht Uhr legen sie los - so dass mir vor Schreck fast das Alsterglas aus der Hand plumpste. Befand ich mich doch gerade im Gespräch mit meinem früheren Abi-Veteranen Hilko, den ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte (an das "Phantom": vielleicht liest er dies ja, und meldet sich mal!)
Im Mittelpunkt der Show steht das jüngste Studiowerk »Radio Pandora« - eine Art akustische Souvenirsammlung von diversen Reisen, die Niedecken inspiriert haben. Nach dem Dylan-Zitat »Songs sind wie fremde Länder, die man bereist« - zugleich Motto des Abends - lud der Sänger zur musikalischen Weltreise ein. Die führte nicht immer nur zu den Sonnenplätzen des Globus. So wird in »Noh Gulu« die Problematik »Kindersoldaten in Uganda« verarbeitet, und »Diego Paz wor nüngzehn« ist eine wütende Abrechnung mit verklärendem Heldentum. Stein des Anstoßes bot hier ein Heldendenkmal für Gefallene des Falklandkrieges, das Niedecken bei einer Reise sah und das ihn »total wütend machte«. Auch die Heimat Köln wird nicht ausgeklammert und findet vor der per Video eingespielten Skyline der Domstadt in »Für ´ne Moment« eine entsprechende Huldigung. Neben Fremdenführer Niedecken liefern auch seine Reisebegleiter - allen voran der Ostfriese Helmut Krumminga an der Gitarre und Anne Wolff an der Geige - eine überzeugende Vorstellung ab.
Nach dreieinhalb Stunden Auftritt (in denen auch obligatorische Klassiker wie »Verdamp lang her« oder »Kristallnaach« nicht fehlen) beenden BAP die musikalische Weltreise mit einer besonderen Reminiszenz an ihren Spielort: sie spielen »Hundertmohl«, ein Song, der an der Jahreswende 1982/83 auf der Insel Spiekeroog geschrieben wurde. Und ich bin schon etwas stolz, auf dieses Kleinod im Set, denn: Die Idee zu dieser besonderen Zugabe entstand während eines Interviews, das ich vor einigen Wochen mal mit Niedecken führen durfte. Schnief...

Bilder gibt´s in meiner Galerie

Setlist:
1. "Heimweh nach Köln" (Intro Werner Reinke)
2. Hühr zo, Pandora
3. Musik, die nit stührt
4. Nemm mich met
5. Rövver noh Tanger
6. Wie die Sichel vum Mohnd
7. Diego Paz wohr nüngzehn
8. Noh Gulu
9. Duude Bloome
10. Rita, mir zwei
11. Morje fröh doheim
12. Bahnhofskino
13. Souvenirs
14. Aff un zo
15. Et ess, wie´t ess
16. Für ´ne Moment
17. Wat usser Rock´n Roll
18. Prädestiniert
19. Ne schöne Jrooß
20. Unger Krahnebäume
21. Kristallnaach
22. Rääts un Links vum Bahndamm
23. "On the Road" (Jack Kerouac)
24. Wat für e´ Booch!
25. Nix wie bessher
26. Ruut, wiess, blau querjestriefte Frau
27. Du kanns zaubre
28. Millione Meile
29. Helfe kann Dir keiner
30. Verdamp lang her
31. Hundertmohl
32. Für immer jung

 

BAP in Aurich

Er hat´s tatsächlich getan!

Als ich vor einigen Wochen BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken zum bevorstehenden Gastspiel in Aurich interviewen durfte, kam das Gespräch auch auf die besondere Beziehung der Kölschrocker zum Friesenlande. Denn: mit Helmut Krumminga greift bei der Formation nicht nur ein Ostfriese für BAP in die Saiten, Niedecken selbst hat sich auch schon von friesischer Inselluft inspirieren lassen. Auf Spiekeroog, so erzählte er mit, entstand Silvester 1982 der Song "Hundert mohl", der es auf die erste Live-Platte der Band schaffte. Als ich Herrn Niedecken vorschlug, das wäre doch ein idealer Song für das Aurich-Konzert, wurde er hellhörig und kritzelte diesen Tipp gleich in seine Kladde. Nun wird ja viel "geschnackt" in so einem Interview und ich hatte die Sache schon abgehakt. Aber tatsächlich: gestern Abend beim Auftritt in der Stadthalle gab´s den Song als Zugabe. Feines Ding, Herr Niedecken!

default
"Ich hab´ noch einen Koffer in Aurich".  Foto: K.-U. Hanken

 

Queen Fanclub

Der deutsche Queen Fanclub feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen. Dazu von dieser Stelle aus ein kräftiges "God save the Queen!" von einem treuen und langjährigen (seit 1993..) Mitglied. Pünktlich zum Jubelfeste ist auch das 50. Fanzine des Clubs erschienen, das vollgepackt ist mit einer tollen Tour-Rückschau und anderen "Gimmicks". Für den Tour-Teil sind auch acht Fotos (wenn ich richtig gezählt habe) verwendet worden, die ich bei den Konzerten in Hannover, Hamburg und Berlin geschossen habe. Wer sich für das Heft interessiert, klickt sich einfach mal auf der Homepage des QFC durch, dort kann es bestellt werden.
 
Über mich
21Publish - Cooperative Publishing