Nachts, wenn Dracula erwacht

Zum Film: Kult-Kino vom Trash-König Jess Franco. Seine Dracula-Verfilmung rühmt sich als werkgetreue Adaption, doch die beschränkt sich weitgehend auf die erste Viertelstunde. Zum Schreien : der Angriff ausgestopfter Viecher im Unterschlupf des Vampirs und die Attacke des Wolfsrudels am Anfang. Man muss kein Zoologe sein, um zu sehen, dass hier eine brav erzogene "Meute" deutscher Polizeihunde die vierbeinigen Finsterlinge mimt. Zudem gibt sich Franco nicht mit lästigen Details ab, so dass es schon mal vorkommt, dass seine lichtscheuen Blutsauger bei strahlendem Sonnenschein durch die Kulisse stapfen. Fans des Meisters sehen gnädig über solche mehr oder minder gewollten Ausrutscher hinweg, der Rest hat seinen Spaß.
Christopher Lee schnallt sich wieder einmal als Graf das Cape um - und überrascht mit neuer Interpretation: sein Vampirfürst ist alles andere als ein erotischer Aristokratentyp, sondern ein kalter Krieger, getrieben von der Gier nach Blut. Sein Monolog über sein Fürstengeschlecht gehört zu den Höhepunkten des Streifens. Etwas enttäuschend hingegen: Klaus Kinski als irrer Renfield. Obwohl er geradezu für diese Rolle prädestiniert scheint, bleibt der Mime hinter den Erwartungen zurück.
Zur DVD: zwei saftig gefüllte Silberlinge lassen die Halsschlagader fröhlich pochen. Sehenswert: die Doku "Beloved Count" mit Jess Franco und die arg geraffte Super 8-Fassung des Films, die aus der Zeit stammt, als VHS und DVD noch weit weg waren.
Bewertung: Film: befriedigend, Bonusmaterial: gut
Nachts, wenn Dracula erwacht (E, D, I, 1969)
D: Christopher Loom, Herbert Lom, Klaus Kinski u.a.
R: Jess Franco
FSK: 16
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