Ganz schön Malle oder Malle, ganz schön...
Unterwegs zum Cap de Formentor. Foto: K.-U. Hanken
Lange habe ich mich gesträubt, einen Fuß auf das Balearen-Eiland zu setzen. Das Ballermann-Image hat mich - trotz häufiger gegenteiliger Beuterungen von Insel-Fans - doch ziemlich abgeschreckt. Zwischen gröhlenden Sauf-Nasen herumflanieren und Fischpfannen futtern? Da kann ich ja gleich zum Matjes-Fest gehen!
Dennoch: Jetzt liegen zehn tolle Tage auf Mallorca hinter mir und ich bin ganz schön "maal" auf Malle. Ein wirklich paradiesischer Flecken - der natürlich auch nicht ohne Schönheitsfehler auskommt. So haben die Bettenburgen von Alcudia beispielsweise einen etwas faden Nachgeschmack hinterlassen - mehr noch als die ollen Fischpfannen. Entschädigt haben mich dafür eine atemberaubende Bahnfahrt durch das Tramuntana-Gebirge und der Besuch des Bergdörfchens Valldemossa.
Unvergessene Momente bescherte uns außerdem der quirlige Kellner, der bei der täglichen Speisung in unserem Hotel auch ganz famose Ausflugsziele servierte, aber leider mit hanebüchener Kenntnis über sein Gastland aufwartete. Angesprochen, ob denn am 15. August (Mariä Himmelfahrt!) die Geschäfte geschlossen seien, meinte er nur: "Himmelfahrt? Ist das nicht der Tag, wo sie IHN ans Kreuz genagelt haben? Oder ist er da wieder auferstanden? Ach nee! Himmelfahrt! Da ziehen da immer mit so komischen Kapuzen über den Kopf durch die Stadt. Mein Chef macht da auch immer mit!". Wir schwiegen betreten. Unser Kellner sprudelte dagegen so lustig, wie die Limo, die er kredenzte: "Also: wenn Ihr auf solche Sachen steht - Kirchen und so - dann müsst Ihr unbedingt nach Manacor fahren. Da ist der gruseligste Jesus, den ich je gesehen habe!". Es wurde Zeit für den Nachtisch...
Apropos: ganz schön gruselig war auch die Fahrt zum Kap de Formentor. Eine halbe Stunde lang ging es über halsbrecherische und haarsträubende Serpentinen durchs Hochland. Zeitweise trennte uns und unseren Mietwagen nur eine dünne Bande von einem gähnenden, tiefen Abgrund. Im Auto gab´s dann Riesengeschrei, als ich den Wagen auf einem kleinen Felsvorsprung parkte, um einen netten Schnappschuss von einem alten Leuchtturm zu machen. Wer wird denn gleich den Kopf verlieren? Weit unangenehmer war da schon der "Auftritt" meines Vordermannes, der plötzlich vor einer scharfen Haarnadel-Kurve in die Eisen stieg, die Fahrertür öffnete und ungeniert auf die Straße kotzte...
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