Die Geschenk-Lüge
Habt Ihr von Euren Partnern in den letzten Wochen auch wieder diesen Spruch gehört: "Wir schenken uns in diesem Jahr aber mal nichts"?
Als meine Frau vor einigen Wochen dieses - wie ich finde - vernünftige Angebot machte, habe ich eifrig genickt. Arbeitstechnisch war ich sowieso voll bis unters Dach mit Terminen und hätte somit kaum Zeit gefunden, richtig in Ruhe shoppen zu gehen. Und mal ehrlich: sind wir nicht langsam raus aus diesem Alter? Was soll denn die ganze Schenkerei? Ist doch alles nur liebloser Kommerz. Wir haben doch uns! Was brauchen wir da Geschenke, um uns immer wieder unsere Zuneigung zu versichern? Hauptsache, die Kleine hat Ihren Spaß!
Solche und ähnliche Floskeln haben wir uns gegenseitig zugeworfen und den Schwur bekräftigt. Und siehe da: Selten habe ich eine so ruhige und stressfreie Vorweihnachtszeit erlebt! Statt sich durch vollgepropfte Einkaufspassagen zu quetschen, konnten wir in Ruhe Glühwein schlürfend die Seele auf den Weihnachtsmärkten baumeln lassen. Schön, wenn sich zwei Menschen so einig sind! Eine trügerische Idylle...
Am Freitag brachte ich unser kleines Töchterlein zum letzten Mal vor den Weihnachtsferien in den Kindergarten. Ich schnallte sie auf den Kindersitz fest und raunte ihr feierlich zu: "In drei Tagen ist Weihnachten, meine Süße". Ihre Augen strahlten vor Glück, und ich freute mich mit mir. Kann es etwas Schöneres geben, als ein jauchzendes Kinderherz vor dem Fest der Feste?
"Das ist toll, Papa! Dann bekommst Du ja endlich Deinen Büro-Stuhl!".
Die Restmüdigkeit an diesem kalten Wintertag war schlagartig verflogen. Mein Blut schoss mit Hochdruck durch die Venen, mein Herz raste im Techno-Takt und mein Halsschlagader schwoll auf eine bedrohliche Dicke an. Also doch! Der vereinbarte "Nicht-Angriffs-Pakt" war nichts weiter als eine müde Farce gewesen. Scheinheilig hat man mich hintergangen und hinter meinem Rücken - ich wage das Wort kaum auszusprechen - GESCHENKE gekauft! Elende Heuchler!
Der rasenden Wut und Empörung wich schnell eine tiefe Depression und Verzweiflung. Woher jetzt noch ein Präsent nehmen, das der Liebsten gerecht wird? Ein schier unmögliches Unterfangen! Muss ich beschreiben, was für Tage heute hinter mir liegen? Soviel steht fest: der Weihnachtsmann dürfte mit Sicherheit weniger Kilometer abgerissen haben auf seiner "Tour" als ich in den vergangenen Tagen. Doch meine Mission war nicht vom Erfolg gekrönt: zwei - ich gestehe es - eher bescheidene Präsente muss ich gleich unter den Baum legen. Ich hoffe, sie zaubern wenigstens ein mitleidiges Lächeln der Gnade auf die Lippen meiner Holden.
Andererseits: ein schöneres Geschenk konnte ich Ihr nicht machen. Als aufrechter, integrer Mann stehe ich heute vor dem Weihnachtsmann - ein Mann, auf dessen Wort man sich noch verlassen kann! Ein Mann, der hoch erhobenen Hauptes sein "O Come All Ye Faithful" schmettern wird und gnädig über den Frevel seiner vertragsbrüchigen Herzensdame hinwegsehen wird! Also Gatten und Partner dieser Erde: tretet mit Stolz und Würde Euren Frauen unter die Augen!
In diesem Sinne: Ein schönes Weihnachtsfest!
Kai-Uwe
Filmchen
Als begeisterter Cineast habe ich erfreut festgestellt, dass die Internet-Datenbank OfdB einen tollen Service anbietet: aus dem stolzen Bestand an Filmbesprechungen und Release-Notes lässt sich eine Liste der eigenen Sammlung zusammenstellen. Wer mal wissen will, was der Hanken so für krudes Zeug schaut, klickt einfach auf den Eintrag "Filmsammlung" in der Link-Liste unten rechts. Nicht wundern: da tummeln sich gnadenlos Trasher-Slasher wie "Dawn of Dead" neben lieblichen Kinder-Klassikern wie "Findet Nemo" und Top-Kino á la "Fitzcarraldo". So eine Filmsammlung ist ja auch immer irgendwie ein Spiegelbild der eigenen Seele...